Herkunft der ITÉ Beurre de Karité
Der theoretisch einfachste Weg
Was ist der naheliegendste, um nicht zu sagen einfachste Weg, wenn man etwas in größerer Menge kaufen und abgefüllt in kleinere Portionen weiterverkaufen will – vor allem, wenn es sich um etwas handelt, das man aus geographischen und/oder technischen Gründen nicht selbst herstellen kann? Genau, man kauft es von einem großen Hersteller oder großen Händler. Karitébutter /Sheabutter gilt als Rohstoff der Lebensmittel- und der Kosmetikindustrie – also wäre das in diesem Fall einer der großen Hersteller oder Händler kosmetischer Grundstoffe.
Das hätte aber aus verschiedenen Gründen nicht zu den Bedürfnissen, welche zur Leib&LebensKunst geführt hatten, gepaßt. Dazu gehörten neben der Notwendigkeit, einen Lebensunterhalt zu verdienen, auch Vorstellungen von natur-reiner Kosmetik höchster Qualität, ökologischer Verantwortung und ethisch/sozialer Anständigkeit. Möglicherweise etwas altmodisch/idealistisch an der Grenze zum Romantischen – möglicherweise aber trotzdem geschäftsfähig.
Jedenfalls kam dieser einfachste Weg für mich nicht in Frage. Ein paar Punkte hätten nun wirklich nicht ins Konzept gepaßt:
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Wieviel bzw. wie wenig haben die Aufkäufer den afrikanischen Sammlerinnen der Nüsse (ganz am Anfang einer langen Kette von Händlern) bezahlt?
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Wieviel Chemie wurde eingesetzt, um die Butter aus den Nüssen zu extrahieren?
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Und auf wieviele hundert Grad ist sie anschließend erhitzt worden, um die chemischen Hilfssstoffe wieder zu entfernen?
- Ergänzung (2011):
mit der wachsenden auch ökonomischen Bedeutung von Naturkosmetik bekommt man nun auch bio-zertifizierte Sheabutter, also ohne Chemie gewonnen – u.U. sogar aus Kaltpressung – bei großen Händlern. Leider immer in (heißdampf-)raffinierter Form. Die Qualitäten sind nunmal nicht gut genug für eine unraffinierte Verwendung - weder was die Laborwerte noch was den Geruch angeht. Außerdem brauchen die großen Hersteller von Natur-kosmetik standardisierte Rohware - und das ist bei einem naturbelassen Produkt "naturgemäß" nicht machbar.
Negativ in allen Punkten, damit klarer Fall: Nicht geeignet für mein Vorhaben.
Direkt bei den afrikanischen Produzentinnen
Zuerst wollte ich Karitébutter direkt von den afrikanischen Frauen kaufen, von ihren dörflichen Kooperativen oder Projekten. Ich finde die Idee nach wie vor richtig, möglichst viel der Wertschöpfungskette bei den ursprünglichen Erzeugerinnen zu belassen. Meine Begeisterung für diesen Weg schwand in dem Maße, in dem ich feststellte, wie be- sonders schwierig es ist, als kleine, gerade in Gründung befindliche "Firma" zuverlässige Geschäftsbeziehungen nach Afrika aufzubauen.
Manchmal ist es schon ein Fulltime-Job, eine funktionierende Kommunikation zu erreichen bzw. aufzubauen. Mal ist es die Unzuverlässigkeit der technischen Infrastruktur - Stromversorgung, Telefon, Internet/email. Mal läuft der Kontakt über europäische Helfer, die andere Prioritäten haben oder einfach nach dem Ende eines Zivildienstes wechseln. Häufig ist die afrikanische Seite nur daran interessiert, eine "halbwegs interessante" Menge (meint ab 1 Tonne) zu verkaufen – aber überhaupt nicht daran, sich über Qualitätsfragen auseinander zu setzen.
Die erste herbe Erfahrung:
es stellte sich heraus, daß die Proben aus dem "schönsten" Projekt ranzig waren. Das ist nicht so problematisch für Unternehmen, welche die Karitébutter ohnehin raffinieren, weil sie für ihre Cremes "mit Sheabutter" keinen Eigen-geruch haben darf. Aber für eine naturbelassene, also unraffinierte Qualität bedeutet das wirklich eine Schwierigkeit. Schließlich ist es Teil der Idee von Leib&Lebens-Kunst, ein natürliches, reines Produkt höchster Qualität anzubieten – und das in einem Kontext von Kultur, Kommunikation, Solidarität, Kunst, afrikanischen Themen. Ein ranziges Produkt würde da ein ganz wesentliches Kriterium verfehlen.
Außerdem ist zu bedenken: Nach der traditionellen Methode werden die Kerne über Holzfeuer geröstet, dann wird ein Brei aus zerstampften Nüssen und Wasser gekocht, um das Fett zu gewinnen, welches danach mehrmals gewaschen und gekocht wird. Dafür wird richtig viel Feuerholz und (hoffentlich sauberes) Wasser verbraucht – und das am Rande der Sahelzone. Unter ökologischem Gesichtspunkt nicht gerade überzeugend, langfristig vermutlich nicht einmal öko- nomisch sinnvoll.Müßte zumindest mit Aufforstungen und überzeugendem Wasser-Management verbunden sein. Hae ich noch von keinem der sonst oft sehr sympathischen Frauen- und Dorfprojekte gehört. Dies muß nicht für immer so bleiben. Es wird an angepaßter Technik gearbeitet, welche da in Zukunft Verbesserung schaffen soll.
Langsam formte sich die Erkenntnis:
Auch wenn es noch keine Forschung zu diesem Punkt gibt, ist doch die Annahme naheliegend, daß eine durch mecha-nisches Pressen, also ohne Wasserzugabe und ohne Wärmezuführung (Kochen) gewonnene Karitébutter qualitativ wertvoller sein müßte als eine traditionell hergestellte. Als Analogieschluß aus den Ergebnissen bei anderen Pflanzen-fetten. Als ich endlich auf eine solche "kalt"-gepreßte Beurre de Karité gestoßen war, bestätigte der Selbstversuch diese Annahme – sehr subjektiv, aber sehr deutlich in der Wirkung.
Ergänzung (2011):
Seit kurzem wird in Ghana mit einem weiteren mechanischen Verfahren (Zentrifugieren) eine qualitativ hochwertige Karitébutter gewonnen. Zwar muß der Nußbrei mit Wasser vermischt werden, damit das Zentrifugieren funktioniert. Aber danach ist die Butter fertig und auch bereits sauber – kein Waschen, kein Kochen, nicht einmal zusätzliches Filtern ist notwendig. Es handelt sich um eine moderne Anlage – im Besitz eines afrikanischen Unternehmers. Eng verbunden mit einem ghanaischen Projekt (NGO) zur Verbesserung der Lebensqualität auf den Dörfern – anders kommt man auch nicht an qualitativ hochwertige Nüsse, die erste und absolute Voraussetzung guter Karitébutter.
Die erste Lösung
Ich hatte einen französischen Familienbetrieb gefunden, Hersteller kostbarer und reiner Pflanzenöle für diätetische und kosmetische Zwecke. Seit mehr als 20 Jahren kauft diese Firma in Togo und Benin in immer den gleichen Dörfern Kariténüsse. Von solchen langfristigen und zuverlässigen Beziehungen profitieren einerseits die Afrikanerinnen, weil sie einen zuverlässigen Abnehmer haben, der ihnen auch deutlich mehr bezahlt als die sonstigen Aufkäufer. Der Vorteil des französischen Betriebs: nur so kann eine zuverlässige Belieferung mit Nüssen von gleichbleibend guter Qualität (sonst nicht selbstverständlich) sichergestellt werden. Die Nüsse werden noch in Togo im firmeneigenen Labor geprüft, dann nach Frankreich gebracht und dort ohne Erhitzen gepreßt. In der Presse entstehen durch den Druck Temperatu- ren bis zu ca. 70 Grad – ohne daß geheizt oder sonstwie Wärme zugeführt würde. Diese kurzzeitig erreichten Tempe-raturen haben zwei Vorteile: zum einen fließt ein relativ festes Nußfett nicht, könnte also in festem Zustand nicht gepreßt werden – und zum anderen werden bei diesen Temperaturen verschiedene Enzyme deaktiviert, welche im aktiven Zustand zum Zerfall der Fettsäuren beitragen.
Diese Karitébutter "pression" wurde wie sie war, ohne Zusätze, Duft- oder Konservierungsstoffe etc. abgefüllt. Vorteil für mein Projekt: die zu der Zeit bestmögliche Balance zwischen den gleichzeitigen Anforderungen an Qualität und an soziale und ökologische Verantwortung.
Leider sind dann Probleme mit der zuverlässigen Belieferung mit Nüssen in erstklassiger Qualität entstanden. Ent- sprechend kann diese französische Firma ihre unraffinierte Beurre de Karité nicht mehr in der gewohnten und ge- wünschten Qualität anbieten. Trotz intensiver Suche nach einem kurzfristig möglichen Ersatz blieb mir damals nichts anderes übrig, als eine ganze Saison ausfallen zu lassen – ein ganzes Jahr ohne Ware.
Der Zuspruch vieler KundInnen, daß sie das zu schätzen wüßten, lieber nichts zu verkaufen als ihnen niedrigere Qualität anzubieten, war damals wirklich hilfreich. Ich arbeitete also weiter daran, erstklassige Beurre de Karité zu bekommen.
Die zweite Lösung
Zur dritten Saison/Abfüllung habe ich eine britische Firma gefunden, welche in Kenia in einer eigenen Anlage Karité- kerne aus Uganda preßt – mechanisch, ohne Wasser und ohne Erhitzen. Die Kerne kommen von Frauengruppen aus Nord-Uganda. Diese haben vor Jahren mit Unterstützung eines USAID-Programms begonnen, sich zu organisieren und nach den Verheerungen des Bürgerkrieges sowohl Nüsse zu sammeln als auch eine eigene kleine Produktion aufzu-bauen. Ein Teil der Sammelgebiete ist inzwischen organic zertifiziert (englisch für bio) – korrekt: biologisch zertifizierte Wildsammlung. Die britische Firma ist wesentlich in Indien, aber auch teilweise in Ostafrika engagiert und auf ökologi- sche und soziale/ethische Verantwortung (Nachhaltigkeit, sustainability, FairTrade) orientiert und geprüft.
Und was passiert? Sie ahnen es bereits? - Ich habe nichts geahnt, sondern meine Planungen daran orientiert, daß dieser britische Edelbetrieb ein zuverlässiger Lieferant wäre. Und ganz kurzfristig - meint hier knapp zwei Wochen vor dem erwarteten Liefertermin - stellt sich heraus, daß die Produktion aus der Ernte 2010 zu hohe Werte an Freien Fett- säuren aufweist. Und zwar die ganzen 5 Tonnen, welche da aus Kenia nach UK gekommen waren. Also konnte ich da- von nichts nehmen. ... Mag an der Wetterlage und insgesamt in Uganda schlecht ausgefallenen Ernte gelegen haben, wer weiß?
Was tun? Aufgeben, wenn dieser Stoff in der Qualität, welche mir vorschwebt, offenbar nicht zuverlässig zu bekommen ist? Ist doch kein Zustand, jeden Herbstanfang wieder zu zittern, ob ich Ware haben werden oder nicht. Wenn das ein Geschäft werden soll (das Finanzamt hat bereits Zweifel an der "Gewinnerzielungsabsicht" angekündigt), muß ich mich dringend um andere Aufgaben kümmern, als immer wieder eine neue Bezugsquelle für meine Qualität zu suchen.
Die dritte Lösung (2010/11)
In Ghana hat in 2010 nach ca. vier Jahren intensiver Entwicklungs- und Vorbereitungsarbeit eine neue Anlage zur Ge- winnung von Karitébutter die Produktion aufgenommen. Eine alte Technik (Zentrifugieren) wurde so modifiziert, daß sie für Karitébutter funktioniert.
Positiv:
Die Anlage gehört einer ghanaischen Firma eines etablierten, als seriös geltenden Geschäftsmanns. Dieser hat eine Menge eigenes Geld aus seiner Hauptfirma investiert. Ich kaufe also von einem afrikanischen Unternehmen. Ein Schritt vorwärts gegenüber den Kompromissen, dieses ur-afrikanische Produkt von französischen und britischen Erzeugern zu beziehen.
Positiv:
Das Unternehmen kooperiert engstens mit einer ghanaischen Organisation zur Verbesserung der Situation im länd- lichen Raum - im wesentlichen einer Frauenorganisation. Es war sogar direkt an deren Gründung beteiligt. Ausgiebiges Training für die mit dem Sammeln und Vorbereiten der Nüsse und Kerne befaßten Frauen wurde von europäischen Organisationen unterstützt - und nicht nur über Shea-Themen, auch über AIDS-Prävention u.a. Ein guter Kompromiss, wenn das direkte Beziehen von Frauenkooperativen schon aus Qualitätsgründen nun mal nicht möglich ist: diese Firma finanziert die Arbeit ihrer sozusagen "eigenen" Frauengruppen. Vielleicht sind sie menschenfreundlich, kann durchaus sein – vor allem aber der einzige zuverlässige Weg, dauerhaft Nüsse bester Qualität zu bekommen.
Positiv:
Diese Frauengruppen - immerhin aus 40 Dörfern - sind neben Qualitätsfragen auch im Procedere für bio-zertifiziertes Sammeln geschult worden. Nun steht das ganze Unternehmen direkt davor, die neue FAIRWILD-Zertifizierung zu erhalten.
Der Kompromiss:
Damit die Zentrifuge das Fett im Nußbrei von den anderen Bestandteilen trennen kann, muß die gemahlene Nußmasse vorher mit Wasser vermischt und auf etwas über 60°C erwärmt werden. Diese Temperatur ist nicht höher als sie beim "kalt"-pressen so harter Kerne entsteht. Aber wegen des Wassers hatte ich lange Diskussionen mit dem Ingenieur, welcher die Methode entwickelt hat. Sie waren sehr kooperativ und haben experimentiert, ob es ohne Wasser oder auch unter 60°C funktioniert - tut es nicht.
Ein Kompromiss mit einem weinenden und einem lachenden Auge:
Was unter Gesichtspunkten der Qualität hervorragend ist, muß das hinsichtlich ökologischer Sparsamkeit nicht ebenfalls sein. Diese Charge der Butter wurde extra für uns frisch produziert (wer kauft denn schon diese Qualität zu diesen Preisen?) und dann nach Deutschland geflogen. Für den ökologisch sinnvolleren Schiffstransport im Container war die Menge viel zu klein.
Hier stehen wir also heute – und freuen uns, Ihnen trotz aller Schwierigkeiten doch wieder eine erstklassige Beurre de Karité anbieten zu können.
Überlegungen zu Kompromissen
Die eierlegende Wollmilchsau
ist Ihnen bekannt? Aber noch nie begegnet? Mir auch nicht.
Das Äquivalent hier wäre eine Karitébutter, welche unter Labor-Bedingungen in bester kalt-gepreßter Qualität auf dem Dorf von einer selbständig wirtschaftenden Frauen-Kooperative erzeugt würde und anschließend ohne weitere Kosten aus dem Dorf nach Deutschland in den Laden oder per Post ins Haus käme – damit der volle Betrag, welchen die Kundin, der Kunde für eine Dose dieser Karitébutter bezahlt, vollständig an die Frauen der Kooperative ginge.
In der realen Welt setze ich den ersten Schwerpunkt, die Priorität, auf die Qualität der Beurre de Karité. Ich habe mir nun einmal eine gepreßte, zumindest aber auf mechanischem Wege gewonnene und vor allem ungekochte Beurre, welche unraffiniert verwendet werden kann, in den Kopf gesetzt.
Ergänzung 2011: Seit 2010 habe ich mich intensiv für die Zentrifugier-Methode interessiert, welche für Karité vorher eigentlich keine Rolle gespielt hatte. Daß dabei Wasser verwendet wird, macht mich nicht ganz glücklich – aber wenigstens ist es zuverlässig sauber und die Butter wird nicht gekocht. Überzeugend war natürlich letzten Endes, daß diese unraffinierte Karitébutter wirklich schön war – sogar der Geruch, ganz schwach ...
Eine solche Qualität bekomme ich bei afrikanischen Frauen-Kooperativen nicht – achte aber darauf, wie glaubhaft die Angaben des Herstellers sind, daß die Sammlerinnen und Arbeiterinnen und Arbeiter einen anständigen Preis erhalten. Anständig meint, deutlich höher als von den "normalen" Aufkäufern der großen Händler und Exporteure, welche nicht selten afrikanische Firmen sind. (Ob das fair ist, hängt von der Definition ab, was fair in fair trade meint – den ganzen Kontext der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen Afrika und Europa bedenkend. vgl. die Einleitung zu den Afrikanischen Splittern)
Dennoch, die Situation in Afrika ist in Bewegung und ich verfolge die Entwicklung. Die Diskussion über eine notwendige Verbesserung und Stabilisierung der Qualität in der Herstellung von Beurre de Karité /Sheabutter hat begonnen. Und da und dort zeichnet sich auch in Westafrika die eine oder andere Produktion durch mechanische Pressung ab. Vermutlich vergleichbar der Produktion in Kenia allerdings selten in afrikanischem Besitz, schon gar nicht im Besitz von dörflichen Kooperativen. Die Investitionen in solche Anlagen übersteigen die Größenordnung von Mikro-Krediten bei weitem.
Ergänzung (2011): Ein Fortschritt in diese Richtung – diesmal war es möglich, von einem afrikanischen Unternehmen zu kaufen, bei dem Besitz und Management in ghanaischer Hand sind.
Wertschöpfungskette
Unter dem Gesichtspunkt, daß möglichst viele Teile der Wertschöpfungskette in Afrika bleiben sollen, wäre auch das Befüllen der Dosen gleich in Afrika optimal. "Fertige" – also bereits befüllte – Dosen nach Deutschland zu importieren, würde aber verlangen, daß alle in der EU und damit in Deutschland geltenden Bestimmungen für das Herstellen von kosmetischen Produkten peinlichst eingehalten werden müßten (Stichwort: Good Manufacturing Practice GMP). Diese Bedingungen sind – ich würde durchaus sagen mit gutem Grund – sehr anspruchsvoll. Gleichzeitig machen sie aber das Befüllen von Dosen mit kalt-gepreßter Beurre de Karité direkt vor Ort in Afrika zu einem doch eher langfristigen Ziel.
Daß mehr oder weniger der gesamte Betrag, den jemand für eine Dose bezahlt, an die Frauengruppen in Afrika gehen soll – das setzte voraus, daß die Kundin selber nach Afrika führe, bis ins Landesinnere, wo diese Bäume wachsen und diese Dörfer liegen – und sich ihre Karitébutter dort in ihre mitgebrachte Dose füllen ließe. Ihre Reisekosten dürfte sie allerdings nicht dazurechnen. (Doch, solche Vorstellungen gibt es. Ich habe Freunde erlebt, die den Preis erstklassigen Olivenöls, das ihnen im Postpaket ins Haus geliefert wird, in allem Ernst mit dem Preis des Öls verglichen haben, welches sie im Urlaub in Spanien beim Olivenbauern geholt und im Auto mitgebracht haben.)
Das Produkt hierher holen, es von einem Labor untersuchen lassen, Dosen besorgen und bedrucken lassen, Butter ab- füllen lassen und in einem gekühlten Lager aufbewahren, das Produkt in Katalogen und im Internet anbieten, Bestel-lungen annehmen und bearbeiten bis hin zur Kontrolle des Zahlungseingangs und zum Ausstellen der Versandpapiere, Einpacken und Versenden, am letzten Ende dann der Paketbote ––– bis jemand bei sich zu Hause so eine Dose in der Hand hält, da sind auch hier in Deutschland viele Menschen in einer ganzen Reihe von Unternehmen an der Wert- schöpfung beteiligt. Und im Unterschied zur Gründerin müssen diese sofort bezahlt werden. Nicht zu vergessen, daß auch das Bekanntmachen des Produkts und seiner Eigenschaften, das Informieren über die ganzen Zusammenhänge – web-site, Flyer, Katalog usw. – Kosten verursacht. Ach ja – Steuern und Abgaben kommen selbstverständlich auch noch dazu. Etwas ausführlicher und persönlicher zu diesem Thema siehe die Seite zu den Mit-Täterinnen und Mit-Tätern.
Transport und ökologischer Fußabdruck
Die ersten beiden Lösungen, welche ich oben beschrieben habe, hatten einen nicht zu unterschätzenden Vorteil:
Die französische wie die britische Firma bringen ihre Sachen – einmal die Nüsse, das andere Mal die fertige Butter – per Container auf Schiffen nach Europa. Das ist möglich, wenn es sich um mehrere Tonnen handelt. Zum Vergleich: ein "kleiner" Container faßt ungefähr 20 Tonnen, ein "großer" das Doppelte. Die paar hundert Kilogramm, mit welchen Leib&LebensKunst operiert, müßten per Luftfracht reisen. Das würde nicht nur die Transport-Kosten deutlich erhöhen, sondern auch den ökologischen Fußabdruck dieser Karitébutter i.S. von verursachtem CO2-Ausstoß.
Das bedeutet nicht, daß nicht ein anderes Mal in einer zukünftigen Saison der Kompromiß auch Luftfracht enthalten kann. In Abwägung gegen andere Faktoren des Gesamtzusammenhangs.
Ergänzung (2011): Genau das ist diesmal notwendig geworden, siehe weiter oben die Ausführungen zur 3. Lösung.
Alles Hängt Mit Allem Zusammen
Ja ja, AHMAZ sagten wir in meiner Studienzeit – Alles Hängt Mit Allem Zusammen. Nimmt man auch nur einen Teil dieser Komplexität in den Blick und will trotzdem tätig werden, landet man notgedrungen bei Kompromissen. Diese sollten aber immer wieder kontrolliert werden, ob sich nicht einzelne Bedingungen geändert haben.
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| Zuletzt aktualisiert am Montag, den 24. Januar 2011 um 20:37 Uhr |
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