Leib & Lebens-Kunst — Kunst + Kosmetik

Dr. Gertrud Kamper & Francine Duroy GbR
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Erfahrungslernen - die zweite

Erfahrungslernen - die zweite

oder: die Saison 2008/09 ist ausgefallen 

 

Rückschlag – keine Saison 2008/09

Eine Abfüllung aus der Ernte 2008 hat es nicht gegeben. Der eine preßte nicht frisch, er hatte noch reichlich Beurre aus der vorhergehenden Saison im Lager – aber ich wollte nun mal frische. Die Suche nach anderen ErzeugerInnen einer qualitativ vergleichbaren Karité­butter führte mich um den halben Erdball. Dank Internet, e-mail, Telefon und Kurierdiensten, ohne daß ich ein Flugzeug besteigen mußte. Sehr viel Aufwand, einige Muster/Proben, aber leider, leider keine Beurre, welche mir gefallen hätte – und damit auch keine, welche ich mei­nen Kundinnen und Kunden hätte anbieten wollen. Einige ErzeugerInnen in Afrika sind jetzt sauer auf mich – sie finden, ich dürfte nicht so pingelig sein, andere (teilweise auch deutsche) Abnehmer wären mit der Qualität ihrer Produkte ja auch zufrieden, nun ja.

So war seit Weihnachten 08 keine ITÉ Beurre de Karité mehr verfügbar. Eine ganze Sai­son ausgefallen – schwierig für ein kleines Unternehmen so kurz nach der Gründung. Die po­sitive Seite: Durch die umfangreiche Recherche habe ich noch einmal sehr viel über Beurre de Karité, unterschiedliche Herstellungsprozesse und Qualitätsfaktoren gelernt.

Da die Beurre des französischen Ölmüllers aus westafrikanischen Nüssen immer noch die bei weitem schönste Qualität ist, welche ich bisher finden konnte, bin ich da die ganze Zeit weiterhin drangeblieben. Aus der 2009er Kampagne wird er frisch pressen – genannter Liefertermin bzw. Verfügbarkeit in Europa Oktober 2009.

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Kamper, Gertrud
Große Trockenheit in Salzburg 2003 (1)
(Mischtechnik: Aquarell,Scherenschnitt, Material)

 

Woran ich 11 Monate gearbeitet habe:

Von Mai 2008 bis März 2009 habe ich intensiv daran gearbeitet, neue Produzenten oder Produzentinnen zu finden, welche eine Karitébutter in der Qualität, welche ich mir nun mal einbilde, liefern können.

Monate intensiver Recherche, der Kontakte per e-mail und Telefon mit Herstellern bzw. ihren Kontaktpersonen in Frankreich, den USA, Ghana, Burkina Faso, Senegal, Uganda – des Wartens auf Antworten, auf Muster, der hartnäckigen Nachfrage nach Analyse-Ergebnissen. Und immer wieder die Entäuschung nach gespannter Erwartung – die Laborwerte sind nicht gut genug und/oder der Geruch ist unangenehm oder die Butter ist zwar kalt gepreßt worden, aber anschließend gewässert und zweimal gekocht etc.

Vieles an Kommunikation ist erst möglich, seit auch in Afrika mehr Menschen Zugang zum Internet und zum Telefon haben. Das bedeutet aber keineswegs, daß das alles so ständig, schnell und einigermaßen zuverlässig funktioniert, wie wir das hier in Deutschland und im Kontakt mit anderen europäischen Ländern oder Nordamerika inzwischen gewohnt sind.

Im späten Frühjahr 2009 schien es dann nicht mehr sinnvoll, sich noch um Butter aus den alten Nüssen (= aus der 2008er Ernte) zu bemühen. Eine erstklassige Qualität wäre, während bereits die neuen Nüsse reifen und das Sammeln begonnen hat, nicht mehr zu bekommen gewesen.

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Kamper, Gertrud
Große Trockenheit in Salzburg 2003 (2)
(Mischtechnik: Aquarell,Scherenschnitt, Material)

Verschiedene Ergebnisse:

Nicht , daß mir nicht viele Leute Karitébutter verkaufen wollten. Mit einem gewissen Erstaunen habe ich festgestellt, daß nicht wenige Anbieter von ihrem Produkt kaum Ahnung haben – nicht einmal, wenn ihr Unternehmen wirklich der Produzent ist. Wie es scheint, ist die Arbeitstteilung zwischen Produktions-Verantwortlichen und Verkaufs-Verantwortlichen doch sehr ausgeprägt und bezieht sich auch auf inhaltliche Kenntnisse. Sie wollen möglichst viel verkaufen, sind auch bereit, niedrige Preise zu machen. Aber eine Karitébutter, welche unbedingt raffiniert werden muß, weil Laborwerte und/oder Geruch nicht stimmen – was soll ich damit anfangen? Und selbst, wenn sie vordergründig kalt gepreßt erscheint – bei genauerem Nachfragen stellte sich dann heraus, daß vor dem Pressen gewärmt oder nach dem Pressen gekocht wird u.ä. Oder es wurde gleich der Kontakt abgebrochen, wenn ich nach solchen Details gefragt hatte.

Positiv:
Bei manchen Produzenten ist eine Entwicklung in Richtung auf mehr Qualitätsbewußtsein hin zu erkennen - wenn das auch immer noch eine sehr geringe Menge der gesamten Produktion betrifft.

Weniger erfreulich:
Leider liegt der Schwerpunkt der Qualitätsentwicklung dieser Jahre auf der Bio-Zertifizierung (engl. organic). Das kostet die jeweiligen Produzentinnen oder Produzenten (Projekte, Kooperativen, Unternehmen) sehr viel Zeit, Mühe und vor allem viel Geld – und das jedes Jahr wieder, weil ein solches Zertifikat nur ein Jahr lang gilt. Und die ganze Entwicklung hin zur Zertifizierung erzeugt jede Menge Bürokratie.

Ich sage, der Schwerpunkt liegt leider darauf, weil diese Zertifizierungen der Wildsammlungen die Qualität von Karité- oder Sheabutter praktisch nicht verbessern. Einmal davon abgesehen, daß als organic bezeichnete Beurre aus zertifizierten Sammelgebieten kommen soll(te) und nicht aus Gegenden, in denen Baumwolle oder Mais nach konventionellen Methoden angebaut wird (beides mit recht großem Pestizid-Aufwand).

Nebenbei: Wenn immer Sie können, kaufen Sie bio-Baumwolle – da macht bio wirklich Sinn. Die Menge an eingesetzter Chemie (Pestizide, Insektizide etc.) auch nur für ein einziges T-Shirt oder eine einzige Jeans aus konventionell erzeugter Baumwolle soll bei fast einem halben Kilo liegen (two thirds of a pound - rein auf die Pestizide bezogen).

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Kamper, Gertrud
Exp.: Große Trockenheit in Salzburg 2003 (1)
(Mischtechnik: Aquarell,Scherenschnitt, Material, PhotoShop)

 

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Kamper, Gertrud
Exp.: Große Trockenheit in Salzburg 2003 (1)
(Mischtechnik: Aquarell,Scherenschnitt, Material, PhotoShop)

Vor allem LERNERGEBNISSE

Was diese "Extra-Runde" auf jeden Fall gebracht hat ist, daß ich noch einmal einiges dazugelernt habe, was die verschiedenen Weisen der Herstellung – v.a. die verschiedenen traditionellen Herstellungsmethoden angeht – und Qualitätsfragen, oh ja.
Nicht, daß ich beabsichtigt hatte, daraus eine Wissenschaft zu machen – aber was blieb mir unter den Umständen denn anderes übrig? Alles, was ich nicht weiß, kann von Anbietern, welche einfach nur verkaufen wollen, zu meinem Schaden ausgenutzt werden.

Gut:
im Laufe dieser Anstrengungen konnte ich den einen oder anderen Kontakt knüpfen, welcher (hoffentlich) dabei helfen wird, daß das mit dem Ausfallen einer Saison nie wieder passiert. Wenn ich darüber hinaus einen winzigen Anstoß dazu beitragen könnte, daß in Afrika Fragen der Qualität von Karitébutter wichtiger genommen werden, um so besser.

Und es geht weiter:

  • Jedenfalls stellte sich im späten Frühjahr /Frühsommer 2009 endlich heraus, daß es dieses Jahr wieder eine frische Butter aus der neuen Ernte bzw. Sammlung in der gewohnten Qualität aus Frankreich geben wird.

  • UND ich habe eine britische Firma gefunden, welche in Kenia eine ostafrikanische Karitébutter aus ugandischen Nüssen preßt – und das auch noch organic zertifiziert.

Doch das ist bereits das nächste Thema.

 

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Kamper, Gertrud
Exp.: Sprachlos, 2008
(Mischtechnik: Aquarell, PhotoShop)

 

Jean Dubuffet und die Folgen

Während der Salzburger
Festspiele 2003 wurde im
Rupertinum eine große
Dubuffet-Ausstellung gezeigt.
Es war die erste, die ich je gesehen
hatte und ich war fasziniert.

Und 2003 war der Sommer der
großen Trockenheit in Europa.


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Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 05. September 2009 um 15:31 Uhr
 
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