Leib & Lebens-Kunst — Kunst + Kosmetik

Dr. Gertrud Kamper & Francine Duroy GbR
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Eine weitere Erprobungsrunde

Leib&Lebens-Kunst zum vierten

Die Orientierung im letzten Jahr

ging dahin, nach einer Stabilisierung der Beschaffung/Besorgung der Substanz, „um die es geht“ – Beurre de Karité (engl. Sheabutter) in Spitzenqualität – das Unternehmen in die Auf­bauphase zu führen. Den Verkauf so weit zu steigern, dass sich auch ökonomischer Erfolg einstellt. Und auf dieser Basis dann den kreativen Prozess weiterzuführen – sowohl, was das Angebot angeht, als auch die darüber hinausweisenden Elemente unter den Stichworten: Afrika, Kunst, Unterstützung künstlerischer Ausbildungen in Afrika als auch social entre­preneurship. Wie es bei Bert Brecht schon hieß: Ja, mach nur einen Plan, und mach noch einen zweiten Plan ...

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Schock, Zweifel, Herausforderung – Saison 2010/2011

Die Idee für eine Weiterentwicklung war erstmal einfach. Die Beurre de Karité der Sorte Niloti­ca aus Ostafrika hat vielen Kundinnen und Kunden sehr gut gefallen – sehr weiche Konsi­stenz und Geruch sehr dezent. Die Nilotica hat der Karitébutter eindeutig neue Freundinnen und Freunde gewonnen. Also das als Basis weiterführen – und wenn möglich eine neue Paradoxa aus Westafrika dazunehmen.

Dann der Schock: Zu einem Zeitpunkt im Herbst, als ich die Nachricht erwartete, ob die Niloti­ca aus der neuen Ernte/Produktion in 10 oder in 14 Tagen geliefert würde, stellte sich heraus, dass die Werte für die freien Fettsäuren etwas zu hoch waren. Nicht schön genug, um sie un­raffiniert mit einem MHD von 2 Jahren und einer (bei gekühlter Lagerung) real deutlich länge­ren Haltbarkeit anzubieten

Wie es heißt, soll in Uganda die gesamte Sheanuss-Ernte 2010 wegen der ungewöhnlich langen und nassen Regenzeit sehr schlecht ausgefallen sein. Möglicherweise eine Erklärung, aber kein Trost. Und vor allem keine Hilfe bei der Frage, wie weiter? Eventuell ist Beurre de Karité höchster Qualität doch kein geeignetes Produkt für eine funktionierende Geschäftsidee? Schon ver­ständlich, dass wer einen „normalen“ Betrieb zu führen hat, bei allem Engagement nach einem oder zwei Versuchen von unraffinierter Karitébutter/Sheabutter die Finger lässt – eben wegen der Schwierigkeiten mit der zuverlässigen Be­schaffung in gleichbleibend hoher Qualität. Das sollte eine Existenzgründung sein, wenn schon wieder eine ganze Saison ausfiele – ich meinen Kundinnen und Kunden nichts anbieten könnte? Sollte ich nicht besser aufgeben?

Ausgeräumt ist dieser Zweifel noch nicht. Doch nach etwas Bedenkzeit und Gesprächen, auch mit der Steuerberaterin, dann die Entscheidung, noch einmal das Risiko einzugehen. Noch eine Runde von Versuch/Erprobung statt Aufbauphase und Stabilisierung, noch einmal viel Arbeit ohne Einkommen daraus. Welche Kombination von Motiven zu dieser Entschei­dung geführt hat, kann ich nicht wirklich erklären. Da war Zuspruch von Freundinnen und Kundinnen, welche weiterhin ihre gute Karité bekommen wollten. Da waren die bei Aufgeben in Kauf zu nehmenden Verluste an eingesetzten Ersparnissen. Und ganz sicher Faktoren in meiner Persönlichkeit – für mich gar nicht einfach etwas aufzugeben, mit dem ich mich so lange und so intensiv befasst und wofür ich schon so viel gearbeitet habe.

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Gertrud Kamper
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(Aquatinta, 2010)
teils mehrfarbige Drucke

Ghanaische Firma und ghanaische NGO

Ein Beweggrund weiterzumachen: ein neuer Hersteller in Ghana erzeugt eine sehr interes­sante westafrikanische Karitébutter (Paradoxa). Die Saison musste also nicht ausfallen. Es scheint, dass auf Seiten der Produzenten in Afrika langsam ein Bewusstsein für gute Qualität wächst. Allerdings muss es dafür dann auch Abnehmer geben – Bewusstsein alleine ...

Monatelang war auf beiden Seiten viel Zeit und Kraft in Diskussionen über Produktion und über Qualität gegangen. Das ist von der Sache her kompliziert genug – insofern war es ange­nehm, das mit einem jungen deutschen Ingenieur diskutieren zu können. Er arbeitet dort und hat auch das Produktionsverfahren wesentlich entwickelt.

Die Probe dieser Karitébutter war sehr schön und die Kombination ist mir sympathisch: alt-eingesessener se­riöser ghanaischer Geschäftsmann und regionale (nicht ausländische) NGO-Struktur vor Ort. Ganze Dörfer, nicht nur Frauengruppen an der Verbesserung von Karitébut­ter-Qualität und Lebensqualität beteiligt. Und dauerhaft, nicht als Projekt mit befristeter Förderung. Aufbau und Entwicklung dieser Strukturen und Schulungen sind zwar von Institutionen aus Europa (NGOs) unterstützt worden. Jedoch ist, so weit man das von hier aus beurteilen kann, die weitere Existenz dieser Zusammenhänge nicht von Spenden abhängig. Ein wichtiger Punkt für die Langfristigkeit.

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Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 10. Mai 2012 um 16:47 Uhr
 
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