
Kunstfalter "Gratwanderung" für die Edition November 2006 von "Kunst+Kosmetik"
Gertrud kamper: Gratwanderung 1-3, 2001 (Aquarell/Mischtechnik)
Druck auf 280er-Chromokarton, 3 x A5, Querformat, gefaltet, auf 300 limitierte Auflage,
auf der Rückseite jedes Bild einzeln handschriftlich numeriert und signiert
zusammen mit Info-Texten in einem C5-Umschlag von Artoz (Farbe bordeaux)
zu bestellen für 20 Euro (incl. MWSt.)
bei arteFakt und direkt bei
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Die Gratwanderung
Manchmal scheint mir, es gäbe auch Lebenswege, die einigermaßen harmonisch und ohne große Gefahren verlaufen, wenngleich es auch auf ihnen schmerzhafte Einschnitte und manch harsche Enttäuschung geben wird. Doch gibt es diese sicher und ungebrochen verlaufenden Lebenswege wirklich? Ich weiß es nicht – meiner jedenfalls verläuft schon seit langem mit Haken und Brüchen, und das immer wieder mal aufs Neue. Teils aus eigener Entscheidung, teils der Umstände wegen. Manches Mal hat mich das traurig gestimmt oder auch ärgerlich, manchmal gefreut. Langweilig ist es jedenfalls nie.
Einige Jahre lang war ich in der privilegierten Position, zu „Kreativität“ zu forschen. Die Vertiefung in dieses Thema führte mich u. a. auch dazu, das überkommene Wissenschaftsverständnis äußerst kritisch zu betrachten – und mich plötzlich auf der Seite von Nobelpreisträgern der Physik wiederzufinden. Interessant genug, aber als Pädagogin reichte mir Kritik nicht, ich brauchte eine positive Aussage über Kreativität und entwickelte eine Vorstellung von "Wissenskunst". Und das war eine Gratwanderung – immer in Gefahr, mit dem einen Bein wieder in herkömmliche wissenschaftliche Denkweise und mit dem anderen in esoterische Spinnerei abzurutschen. (Das Ergebnis ist zugänglich über www.gertrud-kamper.de.)

An einer Habilitations-Schrift zu arbeiten bringt wirklich viel Druck mit sich, es streßt, sehr. Zu malen, in der unterstützenden Umgebung einer Gruppe von Frauen, war in dieser Zeit ein Überlebens-Mittel für mich. Als die Tänzerin der "Gratwanderung_1" entstanden war, da fing ich erst an zu verstehen, in welch umfassendem Sinn Gratwanderung eine Art Kennwort für meine ganze Situation, ja mein Leben war und immer noch ist. Auf allen vieren, vorsichtig und zitternd, läßt sich Gehen über den schmalen Grat nicht bewältigen – tanzend hat man eine Chance, kann frau/man in der Balance bleiben. Damit das alles nicht zu ernst wird, kam der Akrobat dazu. Und dann brauchten die beiden natürlich noch Musik.
Malen ist auch Auseinandersetzung mit Form, mit "Technik". Aquarellfarben faszinieren mich. Da gibt es die Näpfchen, deren beinahe trockenen Inhalt man mit Wasser anlöst. Es gibt die zarten, beinahe durchsichtigen "typischen" Aquarelle. Da sind aber auch die pastösen Aquarellfarben in Tuben. Ohne viel Wasser und dann mit einer unglaublichen farblichen Intensität vermalbar. Sie lassen sich sogar mit dem Spachtel aufs Papier bringen. Und entfalten im Wechselspiel mit dem Papier doch wieder ihre eigene Dynamik, sobald man Wasser dazugibt. Faszinierend. Wieviel Bild ist auf dem Papier und wieviel in unserem Kopf, unseren gesammelten Eindrücken? Dazu ein paar Quadratzentimeter eines alten Vorhangstoffs, eines Restes von Metallfolie – und man sieht was? Ein Hochhaus, zwei Monde, ein ...?
Ich stelle mir vor: Das "Triptychon" des Kunstfalters kann hinter Glas gerahmt und an die Wand gehängt werden, wie es ist – oder geschnitten, jedes Bild separat gerahmt und neben-einander gehängt. Oder vielleicht mag jemand die Bilder auch einzeln verschenken. Oder sie in einer Mappe sammeln.
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| Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 23. Oktober 2009 um 16:08 Uhr |
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